Buddhistische Gesellschaft Leipzig

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Buddhismus in der Fachliteratur - detaillierte Information zusammengestellt von Arkadius Malinowski

 

Buddhismus

„Der Buddhismus ist eine Weltreligion geworden, zu der sich mehrere hundert Millionen Menschen zählen. Eine gewisse Kenntnis der Grundzüge der großen Weltreligionen gehört zur Allgemeinbildung und wird in Abschlussprüfungen abgefragt. Deshalb wird fast jeder Leser meinen, eine ungefähre Vorstellung vom `Buddhismus` zu haben. Aber die Nachschlagewerke belehren ihn, dass es heute, nach 2.500 Jahren, vielfältige Formen von Buddhismus gibt: Theravada, Mahayana, Zen, tibetischen, vietnamesischen, kambodschanischen Buddhismus, Tantra und viele andere mit je eigenen Sammlungen von Texten, die oft weit mehr als tausend Jahre nach dem Buddha entstanden sind. Die Nachschlagewerke, die ja nicht die Wahrheitsfrage beantworten, sondern über die heutigen Religionsformen informieren wollen, zählen diese Vielfalt neutral auf, und der Leser fragt sich: Welches ist denn nun der `richtige` Buddhismus?

Wer Näheres wissen will, kann zwar in der reichen wissenschaftlichen oder populärwissenschaftlichen Sekundärliteratur Rat suchen. Aber das Interesse internationaler indologischer und buddhologischer Forschung gilt heute – von Ausnahmen abgesehen – überwiegend der Geschichte der Verzweigungen der Überlieferung und Veränderung der Lehre des Buddha bis heute – wer wen worin auf welchen verschlungenen Wegen beeinflusst hat. Bei der heutigen Fortschrittsgläubigkeit meinen viele suchenden Menschen: je neuer, desto besser. Aus diesem Grund und weil viele Asiaten aus buddhistischen Ländern im Westen Zuflucht gesucht haben, sind hier gerade Spätformen wie Zen oder der tibetische Buddhismus verbreitet. Die verschiedenen Schulen vertragen sich in freundschaftlicher, vielfach herzlicher Toleranz, halten in Dachorganisationen Verbindung und betonen das Gemeinsame, besonders auch Liebe und Gewaltlosigkeit im praktischen Leben.

Doch wem die religionsgeschichtlichen, religionssoziologischen, religionspsychologischen und vergleichend-religionswissenschaftlichen Arbeiten der Fachgelehrten und richtungsübergreifende Kontakte als Lebenshilfe nicht genügen und wer deshalb Rat bei praktizierenden Nachfolgern sucht, trifft auf eine große Richtungsvielfalt, darunter Respektgebietende und liebenswerte Persönlichkeiten, die aber den neueren Richtungen oft weit näher stehen als den ursprünglichen Quellen. Der Fülle dieser ursprünglichen Quellen sind die allerwenigsten Menschen begegnet. Viele wissen nicht einmal, dass es sie gibt. Bei anderen sind sie mehr Gegenstand literarischer Verehrung oder sie sind durch spätere Umarbeitungen ersetzt – oder der Gang zu den Quellen als aufnehmender, prüfender und danach lebender Zuhörer ist zugunsten wortloser, nur in das eigene Innere blickender Meditation verpönt. Selbst im Mönchsorden in Sri Lanka, Burma und Thailand, der das unschätzbare Verdienst hat, über die Jahrtausende hinweg den Pali-Kanon treu überliefert zu haben, wird heutzutage von dessen drei großen Teilen in erster Linie nicht etwa der `Korb der Lehrtexte` (Sutta-Pitaka) mit den Lehrreden und Gesprächen des Buddha und der ihn zu Lebzeiten umgebenden großen Mönche und Nonnen gelesen, sondern der ein Jahrtausend später von Mönchsgelehrten verfasste `Abhidhamma-Pitaka`, eine riesige Sammlung von systematisch angeordneten, tabellarisierten und klassifizierten Lehrinhalten.“

aus dem Buch von Fritz Schäfer
„Der Buddha sprach nicht nur für Mönche und Nonnen“

 



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