Worte des Gautama Buddha
Worte des Gautama Buddha
Majjhima Nikaya 44 Culavedalla Sutta:
Ausführung in kurzen Fragen und Antworten
So habe ich gehört:
Zu einer Zeit hielt sich der Erhabene bei Rajagaha auf, im Bambushain, am Hügel der Eichhörnchen. Da ging der Laienanhänger Visakha zur bhikkhuni Dhammadinna, begrüßte sie höflich und setzte sich mit respektierendem Abstand nieder. Als er so zur Seite saß, sprach der Laienanhänger Visakha zur bhikkhuni Dhammadinna folgendes:
„Ehrwürdige, man sagt Individualität, Seins-Verkörperung. Wie wird denn vom Erhabenen die individuelle Existenz erklärt?"
„Es sind, lieber Visakha, diese fünf Daseinsgruppen/ Ergreifensgruppen, sagt der Erhabene, nämlich:
die Körperlichkeitsgruppe/ Ergreifen von Materie,
die Gefühlsgruppe/ Ergreifen von Gefühlen,
die Wahrnehmungsgruppe/ Ergreifen von Wahrnehmung/Vorstellungen,
die Gruppe der Geistesformationen/ Ergreifen von Agieren/Tun,
die Bewusstseinsgruppe/ Ergreifen von Bewusstsein.
Diese fünf Daseinsgruppen, lieber Visakha, erklärt der Erhabene als Individualität”.
„Ausgezeichnet, Ehrwürdige!”, erwiderte erfreut und befriedigt der Laienanhänger Visakha und stellte der bhikkhuni Dhammadinna nun eine weitere Frage:
„Ehrwürdige, man spricht vom Ursprung der Individualität; der Ursprung der Seinsdarstellung. Was sagt denn nun, Ehrwürdige, der Erhabene über die Ursache der Seins-Verkörperung?”
„Es ist das Verlangen, lieber Visakha, zur wiederholten Werdung führende, von Freude und Hingerissenheit begleitete, da und dort Befriedigung findende, nämlich:
Verlangen nach Sinnlichkeit/Sinnesvergnügen,
Verlangen nach Werden/Leben,
Verlangen nach Erfolgen/Ausleben/Verleben.
So, lieber Visakha, wird vom Erhabenen der Ursprung der Individualität erklärt”.
„Ehrwürdige, man spricht von 'Aufhebung der Seins-Verkörperung, vom Aufhören der Individualität'. Was, Ehrwürdige, sagt nun der Erhabene über das Aufheben der Seinsdarstellung?”
„Es ist, lieber Visakha, eben dieses Verlangens gänzliches Auflösen und Aufhören, darauf verzichten, es loslassen, sich freimachen, annullieren. Das wird vom Erhabenen als die Aufhebung der Seins-Verkörperung erklärt”.
„Und, Ehrwürdige, man spricht vom 'Vorgehen, das zur Aufhebung der Seins-Verkörperung führt, vom Vorgehen, das zum Aufhören der Seinsdarstellung führt'. Was sagt denn nun, Ehrwürdige, der Erhabene über die Vorgehensweise, die zur Aufhebung der Seins-Verkörperung führt?”
„Es ist dieser Edle Achtfache Pfad, lieber Visakha, von dem der Erhabene sagt, dass er zur Aufhebung des Seins-Verkörperung führt, nämlich:
korrekte Überzeugung, korrekte Gesinnung,
korrektes Reden, korrektes Handeln, korrekter Lebensunterhalt,
korrekte Bemühung, korrekte Vergegenwärtigung/Verinnerlichung, korrekte Selbst-Einung.”
„Ehrwürdige, ist jenes Ergreifen und die fünf Daseinsgruppen ein und dasselbe, oder gibt es Ergreifen getrennt von den fünf Daseinsgruppen?”
Lieber Visakha, nicht ist das Ergreifen und die fünf Daseinsgruppen ein und dasselbe, und doch gibt es kein Ergreifen getrennt von den fünf Daseinsgruppen.
Lieber Visakha, (schon) die Erregung des Wunsches/Willensreiz bei den fünf Daseinsgruppen wird hier eben das Ergreifen genannt.”
„Und woher kommt denn aber, Ehrwürdige, diese Überzeugung von der Individualität?”
„Lieber Visakha, ein gewöhnlicher Mensch, der Edle nicht beachtet und der Verfassung der Edlen unkundig ist, in der edlen Verfassung ungeschult ist, der die Rechtschaffenen nicht beachtet und der Verfassung der Rechtschaffenen unkundig ist und in der Verfassung der Rechtschaffenen ungeschult ist; der hält eben das Formhafte/Materielle für sich selbst, oder sich selbst für Materie/Form besitzend, oder das Materielle für in (seinem) Selbst enthalten, oder sich selbst für im Formhaften/Materiellen enthalten;
hält das Empfinden für sich selbst wahr, oder sich selbst für das Empfinden besitzend, oder das Empfinden für in (seinem) Selbst enthalten, oder sich selbst für im Empfinden enthalten;
hält das Wahrnehmen für sich selbst, oder sich selbst für das Wahrnehmen besitzend, oder das Wahrnehmen für in (seinem) Selbst enthalten, oder sich selbst für im Wahrnehmen enthalten;
hält das Agieren für sich selbst, oder sich selbst für das Agieren besitzend, oder das Agieren für in (seinem) Selbst enthalten, oder sich selbst für im Agieren enthalten;
hält das Erkennen/Erfassen für sich selbst, oder sich selbst für das Erkennen besitzend, oder das Erkennen für in (seinem) Selbst enthalten, oder sich selbst für im Erkennen enthalten;
Daher, lieber Visakha, rührt diese Überzeugung von der Individualität.”
„Und wie dann, Ehrwürdige, kommt es nicht zur Überzeugung von Individualität?”
„Lieber Visakha, ein erfahrener, edler Nachfolger, der die Edlen beachtet und der Verfassung der Edlen kundig ist, in der edlen Verfassung geschult ist, der die Rechtschaffenen beachtet und der Verfassung der Rechtschaffenen kundig ist und in der Verfassung der Rechtschaffenen geschult ist;
der hält nicht das Formhafte/Materielle für sich selbst, oder sich selbst für Materie besitzend, oder Materie für in (seinem) Selbst enthalten, oder sich selbst für in der Materie enthalten;
hält nicht das Empfinden für sich selbst, oder sich selbst für das Empfinden besitzend, oder Empfinden für in (seinem) Selbst enthalten, oder sich selbst für im Empfinden enthalten;
hält nicht das Wahrnehmen für sich selbst, oder sich selbst für Wahrnehmung besitzend, oder das Wahrnehmen für in (seinem) Selbst enthalten, oder sich selbst für im Wahrnehmen enthalten;
hält nicht das Agieren für sich selbst, oder sich selbst für Agieren besitzend, oder Agieren für in (seinem) Selbst enthalten, oder sich selbst für im Agieren enthalten;
hält nicht das Erkennen/Erfassen für sich selbst, oder sich selbst für das Erkennen besitzend, oder Erkennen für in (seinem) Selbst enthalten, oder sich selbst für im Erkennen enthalten. So, lieber Visakha, kommt nicht die Überzeugung von der Individualität.”
„Ehrwürdige, und wie ist der Edler Achtfache Pfad?”
„Der Edle Achtfache Pfad, lieber Visakha, ist eben: korrekte Ansicht, korrekte Gesinnung, korrektes Reden, korrektes Handeln, korrekter Lebensunterhalt
und korrekte Bemühung, korrekte Vergegenwärtigung und korrektes Sich-Sammeln.”
„Ist aber, Ehrwürdige, der Edle Achtfache Pfad errichtet oder nicht errichtet?”
„Der Edle Achtfache Pfad, lieber Visakha, ist errichtet.”
„Sind dann jene drei Gruppen geordnet nach dem Edlen Achtfachen Pfad, oder aber der Edle Achtfache Pfad ist nach jenen drei Gruppen geordnet?”
„Also, lieber Visakha, jene drei Gruppen sind nicht nach dem Edlen Achtfachen Pfad geordnet, sondern der Edle Achtfache Pfad ist nach jenen drei Gruppen geordnet worden:
korrektes Reden, korrektes Handeln, korrekter Lebensunterhalt bilden die Gruppe der Tugend/Moral;
Korrekte Bemühung, korrekte Vergegenwärtigung und korrekte geistige Sammlung bilden die Gruppe der geistigen Sammlung;
Und korrekte Überzeugung, korrekte Gesinnung bilden die Gruppe der Weisheit.”
"Und was jetzt genau, Ehrwürdige, ist geistige Sammlung, was ist das Anzeichen von geistiger Sammlung, was ist die Vorbereitung für geistige Sammlung und was ist die Kultivierung/Entfaltung von geistiger Sammlung?”
„Lieber Visakha, die geistige Einkehr/Einung des Gemütes gilt als geistige Sammlung;
Das vierfache Etablieren der Vergegenwärtigung ist das Anzeichen von Sammlung;
Die vier korrekten Strategien sind Vorbereitungen für geistige Sammlung;
Und die wiederholte Ausübung, Entfaltung und Stärkung eben dieser Dinge, das ist die Kultivierung der geistigen Sammlung.”
„Ehrwürdige, welche Arten des Agierens werden aufgezählt?”
„Lieber Visakha, das Agieren ist dreierlei: das Agieren des Körpers, das Agieren des Redens und das geistige Agieren.”
„Was also, Ehrwürdige, ist das Agieren des Körpers? Was ist das Agieren des Redens? Und was ist das geistige Agieren?”
„Lieber Visakha, das Einatmen und Ausatmen ist das Agieren des Körpers,
Gedanken und diskursives Denken ist das Agieren des Redens.
Wahrnehmen/sich Vorstellen und Empfinden ist das Agieren des Geistes.”
„Wie aber, Ehrwürdige, ist das Einatmen und Ausatmen ein Agieren des Körpers?
Wie sind Gedanken und diskursives Denken ein Agieren des Redens?
Wie sind das Wahrnehmen/Vorstellungen und das Empfinden ein Agieren des Geistes?”
„Das Einatmen und Ausatmen, Lieber Visakha, ist ein Konstituiersein des Körpers, ist eng an Körper gebunden, deshalb ist das Einatmen und Ausatmen das Agieren des Körpers;
Zuerst gefasster Gedanke, lieber Visakha, und dessen Weitersinnen führen folglich zum Sprechen, deshalb sind Gedanken und diskursives Denken ist das Agieren des Redens.
Und das Wahrnehmen/sich Vorstellen und das Empfinden sind das Konstituiersein des Geistes, sind eng an die Psyche gebunden, deshalb sind Wahrnehmen/Vorstellungen und Empfinden das geistige Agieren.”
„Ehrwürdige, wie kommt es zur Erlangung der Aufhebung von Wahrnehmbarkeit und Empfindung?”
"Lieber Visakha, das ist nicht so, als ob der Bhikkhu (Mönch), der die Aufhebung von Wahrnehmbarkeit und Empfindung erreicht, denkt oder sagen könnte: 'Ich werde die Aufhebung von Wahrnehmbarkeit und Empfindung erlangen', oder: 'Ich erlange die Aufhebung von Wahrnehmbarkeit und Empfindung', oder: 'Ich habe die Aufhebung von Wahrnehmbarkeit und Empfindung erreicht'; sondern sein Geist ist so kultiviert, dass er ihn in solchen Zustand versetzt.”
„Und wenn der Mönch, Ehrwürdige, die Aufhebung von Wahrnehmbarkeit und Empfindung erreicht, welche Zustände/Verfassungen hören da zuerst in ihm auf: das Agieren des Körpers, das Agieren des Redens oder das Agieren des Geistes?”
„Lieber Visakha, wenn der Mönch die Aufhebung von Wahrnehmbarkeit und Empfindung erreicht, hört da zuerst das Agieren des Redens auf, dann das Agieren des Körpers und dann das Agieren des Geistes.”
„Ehrwürdige, wie kommt das Heraustreten aus dem erreichten Zustand der Aufhebung von Wahrnehmbarkeit und Empfindung zustande?”
„Lieber Visakha, das ist nicht so, als ob der Bhikkhu, der aus dem erreichten Zustand der Aufhebung von Wahrnehmbarkeit und Empfindung heraustritt, denken oder sagen könnte: 'Ich werde aus dem erreichten Zustand der Aufhebung von Wahrnehmbarkeit und Empfindung heraustreten', oder: 'Ich trete jetzt aus dem erreichten Zustand der Aufhebung von Wahrnehmbarkeit und Empfindung heraus', oder: 'Ich bin jetzt aus dem erreichten Zustand der Aufhebung von Wahrnehmbarkeit und Empfindung herausgetreten'; sondern sein Geist ist so kultiviert, daß er ihn in solchen Zustand versetzt.”
„Ehrwürdige, wenn der Bhikkhu aus dem erreichten Zustand der Aufhebung von Wahrnehmbarkeit und Empfindung heraustritt, welche Zustände steigen da zuerst in ihm auf: das Agieren des Körpers, das Agieren des Redens oder das geistige Agieren?”
„Lieber Visakha, wenn der Bhikkhu aus dem erreichten Zustand der Aufhebung von Wahrnehmbarkeit und Empfindung heraustritt, steigen da zuerst das geistige Agieren auf, dann das Agieren des Körpers, dann das Agieren des Redens.”
„Was für Eindrücke, Ehrwürdige, kommen den Bhikkhu dann an, wenn er aus dem erreichten Zustand der Aufhebung von Wahrnehmbarkeit und Empfindung herausgetreten ist?”
„Lieber Visakha, drei Arten von Eindrücken kommen den Bhikkhu an, der aus dem erreichten Zustand der Aufhebung von Wahrnehmbarkeit und Empfindung herausgetreten ist:
Eindruck der Leerheit, Eindruck der Objekt-/Merkmalslosigkeit, Eindruck der Aspirationslosigkeit/Bezuglosigkeit.”
„Ehrwürdige, wohin neigt sich der Geist des Bhikkhu, der aus dem erreichten Zustand der Aufhebung von Wahrnehmbarkeit und Empfindung herausgetreten ist, wohin zieht es ihn?”
„Lieber Visakha, das Gemüt des Bhikkhu, der aus dem erreichten Zustand der Aufhebung von Wahrnehmbarkeit und Empfindung herausgetreten ist, neigt sich zur Distanzierung, es zieht ihn zur Zurückgezogenheit hin.”
„Ehrwürdige, und welche Arten des Empfindens werden aufgezählt?”
„Es werden, Lieber Visakha, drei Arten vom Empfinden aufgezählt:
das behagliche Empfinden, das unbehagliche Empfinden und das weder unbehagliche noch behagliche Empfinden.”
„Wie erklärt man, Ehrwürdige, das behagliche Empfinden, das unbehagliche Empfinden und das weder unbehagliche noch behagliche Empfinden?”
„Lieber Visakha, das was man körperlich oder geistig als behaglich bzw. angenehm empfindet, das ist eben das behagliche Empfinden.
Das was man körperlich oder geistig als leidig bzw. unangenehm empfindet, das ist eben das unbehagliche Empfinden.
Und das was man körperlich oder geistig als weder angenehm noch unangenehm empfindet, das ist eben das weder unbehagliche noch behagliche Empfinden.”
"Nun, von einem behaglichen Empfinden, Ehrwürdige; was ist da behaglich und was leidig?
Was ist von einem unbehaglichen Empfinden behaglich und was ist leidig?
Und was ist von einem weder unbehaglichen noch behaglichen Empfinden behaglich und was ist leidig?”
„Von behaglichem Empfinden, Lieber Visakha, ist Bestehen behaglich und die Veränderung leidig.
Von unbehaglichem Empfinden ist Bestehen leidig und Veränderung behaglich.
Von einem weder unbehaglichen noch behaglichen Empfinden ist Kenntnis behaglich und Unkenntnis leidig.”
„Ehrwürdige, was für eine Tendenz haftet dem behaglichen Empfinden an?
Was für eine Tendenz haftet dem unbehaglichen Empfinden an?
Und welche Tendenz haftet dem weder unbehaglichen noch behaglichen Empfinden an?”
„Lieber Visakha, dem behaglichen Empfinden haftet die Tendenz zur Ergötzung/Berauschung an, dem unbehaglichen Empfinden haftet die Tendenz zur Aversion an, und dem weder unbehaglichen noch behaglichen Empfinden haftet die Tendenz zur Ignoranz an.”
„Und haftet die Tendenz zur Ergötzung, Ehrwürdige, jedem behaglichen Empfinden an?
Haftet die Tendenz zur Aversion jedem unbehaglichen Empfinden an? Und haftet die Tendenz zur Ignoranz jedem weder unbehaglichen noch behaglichen Empfinden an?”
„Nicht jedem behaglichen Empfinden, Lieber Visakha, haftet die Tendenz zur Ergötzung an,
nicht jedem unbehaglichen Empfinden haftet die Tendenz zur Aversion an und nicht jedem weder unbehaglichen noch behaglichen Empfinden haftet die Tendenz zur Ignoranz an.”
„Was also, Ehrwürdige, ist beim behaglichen Empfinden zu verwerfen? Was ist beim unbehaglichen Empfinden zu verwerfen? Und was ist beim weder unbehaglichen noch behaglichen Empfinden zu verwerfen?"
„Eben die Tendenz zur Ergötzung, Lieber Visakha, ist bei dem behaglichen Empfinden zu verwerfen. Die Tendenz zur Aversion ist bei dem unbehaglichen Empfinden zu verwerfen. Und die Tendenz zur Ignoranz ist bei dem weder unbehaglichen noch behaglichen Empfinden zu verwerfen.”
„Ist dann, Ehrwürdige, bei jedem behaglichen Empfinden die Tendenz zur Ergötzung zu verwerfen? Ist bei jedem unbehaglichen Empfinden die Tendenz zur Aversion zu verwerfen? Und ist bei jedem weder unbehaglichen noch behaglichen Empfinden die Tendenz zur Ignoranz zu verwerfen?”
„Lieber Visakha, nicht bei jedem behaglichen Empfinden ist die Tendenz zur Ergötzung zu verwerfen. Nicht bei jedem unbehaglichen Empfinden ist die Tendenz zur Aversion zu verwerfen. Auch nicht bei jedem weder unbehaglichen noch behaglichen Empfinden ist die Tendenz zur Ignoranz zu verwerfen.
Lieber Visakha, ein Bhikkhu, völlig distanziert von Sinnlichkeit, distanziert von negativem Konstituiersein, bei korrekten Gedanken und korrektem Sinnen, kommt zu der aus der Distanzierung resultierenden Glückseligkeit und tritt somit in die erste Vertiefung ein und verweilt darin. Aufgrund der Ergötzung wird er es los und da schlummert auch keine Tendenz zur Ergötzung.
Weiter, lieber Visakha, da erwägt ein Bhikkhu folgendermaßen: 'Wann werde ich nur jene Sphären betreten und darin verweilen, die die Edlen bereits betreten haben und darin verweilen'. Und indem er so in Sehnsucht der unvergleichbaren Erlösung gedenkt, steigt als das Resultat der Sehnsucht, eben Trübsal/Verdrossenheit auf. Aufgrund der Aversion wird er es los und da schlummert auch keine Tendenz zur Aversion.
Weiter, lieber Visakha, ein Bhikkhu, überwindend das Behagliche, überwindend das Unbehagliche, mit dem Loslassen des früheren Frohsinns und Trübsinns, betritt eben jenseits des Unbehaglichen und jenseits des Behaglichen, das höchst Reine der gleichmütigen Besonnenheit/Vergegenwärtigung des Gleichmuts, nämlich: die vierte Vertiefung und verweilt darin. Aufgrund des Ignorierens wird er es los und da schlummert auch keine Tendenz zur Ignoranz.”
„Ehrwürdige, was ist die Folge von behaglichem Empfinden?”
„Lieber Visakha, das unbehagliche Empfinden ist die Folge vom behaglichen Empfinden.”
„Und was, Ehrwürdige, ist die Folge des unbehaglichen Empfindens?”
„Lieber Visakha, das behagliche Empfinden ist die Folge des unbehaglichen Empfindens.”
„Und was ist dann, Ehrwürdige, die Folge des weder unbehaglichen noch behaglichen Empfindens?”
„Ignoranz/Blindheit, lieber Visakha, ist die Folge des weder unbehaglichen noch behaglichen Empfindens.”
„Und was ist, Ehrwürdige, die Folge der Ignoranz?”
„Die Folge von Ignoranz, lieber Visakha, ist Umsicht/Wissen.”
„Und was, Ehrwürdige, ist die Folge von Umsicht/Bewusstheit?”
„Die Folge von Umsicht, lieber Visakha, ist die Befreiung.”
„Und was, Ehrwürdige, ist die Folge von Befreiung?”
„Die Folge von Befreiung, lieber Visakha, ist Erlöschung.”
„Und was, Ehrwürdige, ist die Folge von Erlöschung?”
„Jetzt hast du aber, lieber Visakha, dieses Fragen zu weit getrieben. Du hast die Begrenztheit von Fragen nicht berücksichtigt. Denn der heilige Wandel, Lieber Visakha, führt eben zur Erlöschung, gipfelt in der Erlöschung und endet in der Erlöschung.
Wenn du es aber wünschst, lieber Visakha, gehe zum Erhabenen und befrage ihn zu den Themen. So wie der Erhabene es dir erklärt so mögest du es bewahren.”
Da war der Laienanhänger Visakha, durch die Rede der bhikkhuni Dhammadinna erfreut und befriedigt, erhob sich von seinem Sitze, grüßte die Nonne Dhammadinna ehrerbietig und ihr mit seiner rechten Seite zugewandt, ging er fort zum Erhabenen.
Dort angelangt, begrüßte er den Erhabenen und setzte sich zur Seite nieder.
Als er so zur Seite saß, erzählte der Laienanhänger Visakha dem Erhabenen die ganze Unterhaltung mit der bhikkhuni Dhammadinna.
Nach diesem Berichte wandte sich der Erhabene an den Laienanhänger Visakha also:
„Gelehrt ist die bhikkhuni Dhammadinna, Visakha, von großer Weisheit, Visakha, ist bhikkhuni Dhammadinna. Wenn du mich, Visakha, zu den Themen befragt hättest, so hätte ich dir genauso geantwortet, wie die bhikkhuni Dhammadinna dir geantwortet hat. So verhält es sich, und so solltest du es bewahren.”
So sprach der Erhabene.
Zufrieden und erfreut war der Laienanhänger Visakha über die Worte des Erhabenen.
Worterklärungen:
bhagava – der Erhabene, der Segensreiche
bhikkhuni – feminines Genus von bhikkhu – Bettelmönch.
(gemäß der kanonischen Kommentare soll Dhammadinna früher seine Gattin gewesen sein)
sakkaya – könnte von sat-kaya Seins-Gebilde, Seinsdarstellung (wie bei F. Schäfer) hergeleitet sein oder aber auch von sa- kaya Eigen-Gebilde, Individualität. Es wird meistens als "Persönlichkeit" wiedergegeben.
viññana – Erkennen, Erfassen, sich bewußt werden, Registrieren, Realisieren
ich betone es als ein Prozess, denn Bewußtsein suggeriert etwas statisches/beständiges, wie eine Art Speicher, jedoch bei Buddha existiert es lediglich in der Relation der Sinne und des Geistes mit ihren Objekten.
Visakha scheint hier die Tiefe des Wissens seiner ehemaligen Frau zu erforschen.
raga – Reiz(ung), Erregung, Betörung, Ergötzung, Hingerissenheit, Berauschung, Begeisterung, Leidenschaft.
samma – (adj.) richtig, recht, korrekt, anständig, wie es sich gehört
dhamma – (skr. dharma) Sachlage, Sachverhalt, Konstituiersein, Beschaffenheit, Verfassung, Wirklichkeit
samadhi – sich-Sammeln, Selbst-Einung, Konzentration, Meditation
und zwar beim Körper, bei den Gefühlen, bei der Psyche und der Verfassung (geistigen Beschaffenheit).
nämlich: 1. Vermeidung der unaufgestiegenen negativen Verfassung, 2. Überwinden der bereits aufgestiegenen negativen Verfassung, 3. Entfaltung der unaufgestiegenen positiven Verfassung, 4. Erhaltung der bereits aufgestiegenen positiven Verfassung.
sankhara – Agieren, sich Regen/Betätigen, Errichten, Wirken, Erstellen, Kreieren
vitakka - Gedankenfassung, Aufgreifen eines Gedanken, Einfall; vicara- Nachgehen dem Gedanken;
vitakka wird verglichen u.a. mit dem Anfassen eines Topfes und vicara mit dem Auswischen desselben.
patigha – wtl. Zurückstoßen, Widerwille, Empörung, Entrüstung
avijja – Nichtwissen, Unwissenheit, Verblendung