(Jhana) Vertiefungs-Meditation
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Meditative Versenkung und transpersonales Bewußtsein
Als das Herzstück der transpersonalen Psychotherapie betrachte ich das "transpersonale Bewußtsein" oder, noch treffender, den "transpersonalen Bewußtseinsraum". Der transpersonale Bewußtseinsraum ist aber nicht erst durch uns transpersonale Therapeuten erfunden worden, sondern nur dieser Begriff.
Transpersonale Bewußtseinszustände hat es in allen Kulturen gegeben, und sie sind in vielfältiger Art beschrieben worden.
Ich möchte Ihnen zunächst einmal ein mehr als 2500 Jahre altes System vorstellen, das vorwiegend in der Therevada-Tradition des Buddhismus gelehrt wird, nämlich die sogenannten Vertiefungszustände der Meditation, auch Jhanas genannt, Jhana-Zustände der Meditation. Anschließend werde ich versuchen, dies auf den transpersonalen Bewußtseinsraum zu beziehen und zuletzt noch ein paar Überlegungen anstellen, wie sich dies in der therapeutischen Arbeit auswirken und ausdrücken kann.
Vertiefung bedeutet, wie das Wort sagt, daß der Geist sich in der Meditation vertiefen kann und nicht mehr an der Oberfläche bleibt, zunächst nicht mehr außen orientiert bleibt. Man könnte sagen, daß Vertiefungszustände höhere Bewußtseinsebenen darstellen. Sie sind so etwas wie ein globales, geweitetes Bewußtsein, das nicht mehr auf ein diskretes Meditationsobjekt fokussiert ist. Sie sind Folge lediglich einer guten Konzentration und einer guten Hingabefähigkeit.
Vertiefungen waren zu Buddhas Zeiten eine übliche Meditationspraxis. Sie waren sogar die Meditationsmethode, die Buddha selbst praktiziert hat. Er hat die Vertiefungen gelernt, aber festgestellt, daß sie ihn immer noch nicht zur vollkommenen Befreiung, zur Erleuchtung brachten.
Auch die Erfahrung der Vertiefung, so wunderbar sie ist, ist vergänglich und führt nicht vollständig aus der Leidhaftigkeit des Seins, wie Buddha das formuliert hat, aus der Unerfülltheit des alltäglichen Lebens, aus der Begrenztheit dessen, was wir heute das Ich-Bewußtsein nennen. Als Neuerung brachte Buddha damals die Betonung der Erkenntnis, das, was man im Buddhismus den Klarblick nennt. Und Buddha hat seine ganze Lehre auf
zwei große Wege aufgebaut, die zusammenwirken: den Weg der Meditation und der Versenkung, Samatha, Ruhe, und den Weg der Erkenntnis, des Klarblickes, Vipassana. Also, es war eigentlich das Neue, daß Buddha die Erkenntnisseite zu der damaligen Spiritualität hinzugefügt hat, aber er selbst hat die Vertiefungen gelernt und weiterhin gelehrt.
Buddha hat unterschieden zwischen einem mühsamen spirituellen Weg und einem mühelosen spirituellen Weg. Und diese beiden Wege seien verknüpft mit schnellem Verständnis oder mit langsamem Verständnis.
Der mühsame spirituelle Weg bezieht sich bei der Meditation auf die Betrachtung der Vergänglichkeit aller Gebilde, der Vorstellung des Todes und der Widerlichkeit des Körpers und der Nahrung. Man kann sich vorstellen, daß das ein mühsamer Weg ist.
Der mühelose Weg sei die Meditation der Vertiefungen. Und schnelles Verständnis entstehe dann, wenn die fünf großen Fähigkeiten stark entwickelt seien:
Vertrauen, Willenskraft, Achtsamkeit, Geistessammlung und Weisheit. Und langsames Verständnis geschehe, wenn diese fünf Fähigkeiten schwach ausgebildet seien. Darauf möchte ich jetzt nicht weiter eingehen. Also, Sie sehen, welche Bedeutung diese Vertiefung hatte, denn sie sind in den alten Zeiten der mühelose spirituelle Weg gewesen, wenn sie gelernt wurden.
Man unterscheidet acht Vertiefungen. Die ersten vier Vertiefungen heißen rupa jhanas und werden übersetzt als feinkörperliche Vertiefungen, weil ihr Erleben vom körperlichen Empfinden ausgeht und auch körpernah bleibt. Sie entwickeln sich in einer Folge auseinander. Jede Vertiefung ist in gewisser Weise tiefer oder feiner als die davorliegende. Die fünfte bis achte Vertiefung werden auch als arupa jhanas bezeichnet, als nichtkörperliche Vertiefungen oder — manchmal übersetzt — als formlose Vertiefungen.
Nun noch eine Unterscheidung, die auch schon in den alten Schriften gemacht wird: Man unterscheidet in der Konzentration, der Sammlung, zwischen der angrenzenden und der vollen Sammlung. Angrenzende Sammlung wäre, wenn man ein Vorstellungsbild der Vertiefung erlebt, wenn man die Vertiefung ahnt, an sie angrenzt, aber noch nicht in sie eingetaucht ist. Ist man in sie eingetaucht, versunken in die Qualität der Vertiefung, dann ist dies volle Sammlung. Es kann also sein, daß Sie während der folgenden Erläuterungen eine Ahnung von der Vertiefung erhalten, in angrenzender Sammlung diese Vertiefung erspüren. In der Tiefe wird man sie in der Regel nur während eines Meditationskurses erreichen, wenn sich über Tage hinweg die Konzentration und die Hingabefähigkeit verbessern.
Wenn Sie möchten, schließen Sie einmal die Augen, entspannen Sie sich und spüren Sie einfach Ihren Körper. Suchen Sie in dieser Entspannung und in diesem einfachen Loslassen irgendeinen Bereich, der sich angenehm anfühlt. der sich wohlig anfühlt, vielleicht eine Wärme im Bauch oder im Herzen. Wenn Sie keinen Bereich finden, dann lassen Sie einfach etwas entstehen wie ein Strömen, eine Wärme, eine Entspannung, eine Schwere. Und dann lassen Sie diesen Bereich sich ausdehnen, weiter werden, so daß er mehr und mehr von Ihrem Körperempfinden ergreift, durchströmt. Lassen Sie diese angenehme Qualität einfach sich ausdehnen, bis sie den ganzen Körper erfüllt. Lassen Sie dieses Gefühl, dieses angenehme Gefühl sich noch weiter ausdehnen, über Ihre Körpergröße hinaus, bis sie Ihr ganzes Erleben durchtränkt.