Ruhe haben wollen.
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Ruhe haben wollen.
Ein Vortrag von
Santuṭṭho
vom 20. April 2008
Lassen Sie mich doch bloß in Ruhe!
Sie immer mit Ihrem ... usw.
Wer kennt ihn nicht, diesen Spruch? Wer von Ihnen findet es als belästigend, beunruhigend, von anderen "gestört" zu werden. Was ist denn das eigentlich, diese "Störung".
Tut mir leid, dass Ihnen jetzt etwas Beunruhigendes zu Ohren kommt, nämlich: Selber schuld!
Ja, Sie haben ganz richtig gehört: Sie sind selber schuld. Selber schuld daran, dass Sie beunruhigt sind, sich gestört fühlen und überhaupt. Warum sind Sie denn hier? Auch selber schuld.
Sie dürfen jetzt wieder lächeln. Es kommt die Auflösung des Rätsels.
Inwiefern da wohl jeder "selber schuld" ist, das ist das eine Thema, nämlich die Frage nach dem Wieso und Warum, eben Karma. Die meisten unserer Besucher stellen eben jene Frage immer und immer wieder: "Wie ist das mit dem Karma zu verstehen?" Da die karmische Frage heute nicht das Thema sein soll, hier nur ganz kurz zwei Sätze dazu: Erstens zählt Karma zu den Vier unermesslichen Dingen, ist also nicht bis ins allertiefste ergründbar; und zweitens ist es ganz einfach und in Kürze so, dass wir jetzt das erleben, was wir früher, also in unserer Vergangenheit (wann auch immer!) selber in Gang gesetzt haben, und so wie wir jetzt damit umgehen, das wird unsere Zukunft. Klingt ganz simpel, ist es wohl aber nicht ganz. Belassen wir es vorerst mal dabei.
Ruhe. Was ist das eigentlich? Schauen wir uns das einmal näher an. Was verstehen Sie unter Ruhe? (an der Tafel werden die Antworten notiert: ... ... ...)
Ruhe ist also unterscheidbar in INNERE und ÄUSSERE. Ebenso auch die Unruhe - logischerweise. Nehmen wir zuerst mal die äußeren Faktoren unter die Lupe, welche da sind: Geräusche bis hin zum Lärm, Geschäftigkeit, Stress, Sorgen, Naturerscheinungen, andere Menschen, "die lieben Kleinen", Familie usw. Also leicht zu unterteilen in akustische Unruhe im Sinne von Geräusch und Beunruhigung der anderen Sinnesorgane. Demnach beruht die Unruhe auf Wahrnehmung. Kontakt ist der Auslöser. Und Kontakt entsteht eben wenn ein Sensor, also ein funktionierendes Sinnesorgan mit dem entsprechenden Objekt in Berührung kommt. Bis hierher ist es ganz einfach. Stimmt's? Mit dem Kontakt entsteht zwangsläufig das dazu gehörende Bewusstsein. Dies wird gefühlt, also Gefühl entsteht. Dieses noch völlig neutrale Gefühlte wird nun innerhalb von Sekundenbruchteilen bewertet, benannt, eingeschätzt, mit früher Gefühltem und Bewertetem verglichen usw. Und jetzt erfolgt eine Reaktion darauf. Entsprechend unserer Neigung, Stimmung, Laune, also je nachdem was in unserem Geist für eine Mischung von Zu- oder Abneigung und Nichtwissen vorherrscht, reagieren wir. Eben entweder mit Zu- oder Abneigung zu dem Gefühlten. Oder aber wir bleiben neutral. Was man wiederum untersuchen könnte bezüglich des Unwissenheitsfaktors oder ob man bewusst neutral, also gelassen bleibt. Was nun ist dann Ruhe bzw. Unruhe? Eine RE-Aktion. Ein Reagieren auf vorher stattgefundenen Sinneskontakt. Das einfachste wäre nun, will man Ruhe, eben jenen Sinneskontakt zu unterbinden, zu vermeiden. Das funktioniert tatsächlich - aber leider nur innerhalb gewisser Grenzen. Selbstverständlich ist es angenehmer dort zu sein, wo kein als Belästigung empfundener Lärm herrscht. Aber wir wollen - und müssen - ja mit dem leben, was wir vorfinden. Träume sind hier tatsächlich nur Schäume. Und aufschäumen tun wir eh schon viel zu viel. Und gerade eben dieser Schaum ist sie, die INNERE Unruhe. Am Sinneskontakt also können wir relativ wenig machen. Wie wir damit umgehen, darin liegt der Schlüssel. Oder der berühmte Hase im Pfeffer. Ist innen Ruhe, dann stört Außen kaum. Ist außen Ruhe, ist das ein förderlicher Umstand zur Erlangung innerer Ruhe - ein Kreislauf. Ein ÜBUNGS-Weg! Wir können uns darin üben, Ruhe zu finden, Ruhe zu haben. Und zwar indem wir uns darin üben nicht mehr auf alles, was auf uns einstürzt, zu reagieren. Indem wir uns darin üben nicht länger im Außen Ruhe finden zu wollen, sondern INNEN.
Wie soll denn das gehen? Hier sind wir ganz genau beim heutigen Thema angelangt: "Ruhe haben wollen."